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Mit dem Fahrrad durch Hamburg

Ich hatte schon lange geplant einmal mit dem Fahrrad quer durch Hamburg zu fahren und dabei alle wichtigen Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Jetzt habe ich es endlich geschafft. Hier ist mein Logbuch mit Fotos von allen interessanten Stationen der Tour und mit allem was schief gegangen ist.

Dies war meine, nicht ganz so geplante und so gut wie möglich rekonstruierte Route. Die grünen Punkte sind die einzelnen Zwischenstopps und werden im Folgenden näher beschrieben.

Die Karte

09:42 – Erster Halt: Bahnhof Uelzen – 2,32km

Schnell für 3,50€ eine Fahrkarte fürs Fahrrad gekauft (ich fahre mit Studentenausweis) und das Rad in den fast leeren Metronom geladen. Die obligatorische Familie mit den 4 nervigen Kindern kam natürlich erst als ich mir bereits einen Platz gesucht und mir die Möglichkeit zur Flucht genommen hatte.

Im Metronom

11:05 – Station 01: Hamburg Hauptbahnhof – 2,68km

Nicht schlecht, nur knapp 2,5km gefahren und schon in Hamburg. Das Wetter mies. Bisher alles wie geplant. Also erstmal die Mönckebergstraße runter.

2,68km

11:08 – Station 02: Rathausplatz – 3,47km

Wow, das ging schnell. Schon am Rathausplatz. Komplett ohne Karte! Mmmh, joa, super. Schon 1000 mal gesehen. Bin mir nicht sicher ob das eben Regen oder Taubenkacke war, also weiter.

Am Rathaus

11:13 – Station 03: Binnenalster – 3,96km

Nur kurz über die Straße und schon bin ich an der Binnenalster. Man, wenn das so weiter geht kann ich um 12 Uhr schon wieder zurück fahren.

Binnenalster

11:25 – Station 04: Außenalster – 6,63km

Die erste Hälfte der Alsterumrundung ist geschafft. In der Ferne ist schon der Fernsehturm zu sehen, mein übernächstes Ziel. Erstmal gehts aber in den Stadtpark. Absolutes Neuland, denn da bin ich bisher nur mal mit der S-Bahn hingefahren. Zum Glück hatte ich mir vorher alles bei Google-Maps ausgedruckt.

Aussenalster

11:30 – Station 04: Außenalster – 6,63km

Nachdem ich meinen Rucksack auf der Straße entleert hatte, musste ich feststellen das ich den entsprechenden Kartenabschnitt wohl im Zug liegen lassen hatte. Egal, ich wusste noch dass ich Richtung Norden muss und hatte ja meinen Kompass dabei! Allerdings scheint dieser der Qualität nach zu Urteilen aus einem Yps-Heft zu stammen. Nur durch drei unabhängige Messungen und Bildung des Mittelwertes kann man relativ genau bestimmen wo Norden ist. Also weiter gehts…

Mein Kompass

11:55 – Station 05: Stadtpark – 13,5km

Nach einer recht eigenartigen (und für diesen Tag nicht letzten) Irrfahrt, die ich im Nachhinein auf der Karte nicht wirklich nachvollziehen konnte, bin ich irgendwann tatsächlich im Stadtpark angekommen. Das Wetter wird besser! Kurze Trinkpause am See.

Stadtpark

12:10 – Station 06: Planetarium – 15,36km

Ich bin zwar auf dem Hinweg schon dran vorbei gekommen, aber ich wollts noch mit festhalten. Das Planetarium. Als nächstes steht "Planten un Blomen" auf dem Plan. Liegt bekanntlich beim Fernsehturm, den man von überall gut sehen kann. Sollte also auch ohne Karte kein Problem sein.

Planetarium

13:06 – Station 07: Planten un Blomen – 30,81km

Aber von wegen, kaum hatte ich den Stadtpark verlassen war vom Fernsehturm nix mehr zu sehen. Also wieder Blindflug bis ich endlich die Alster wieder gefunden hatte. Der Rest am (übrigens schöneren) Ufer der Alster ging, von den ganzen Einbahnstraßen mal abgesehen, ganz gut. Aber zu Verkehrsregeln komme ich später noch mal.

Am Fernsehturm angekommen konnte ich allerdings weit und breit nur Baustellen erkennen. Vom Park nichts zu sehen (der befand sich, wie ich später feststellen musste, hinter einem hohen Zaun). Also habe ich noch einen völlig überflüssigen Schlenker zwischen den Messehallen gemacht, bis ich endlich ein Schild "CCH" gesehen habe. Die Rettung, denn ich wusste das liegt 100%ig direkt neben Planten un Blomen.

Planten un Blomen

13:08 – Station 07: Planten un Blomen – 30,87km

Mittlerweile war es richtig warm geworden und ich war dummerweise passend zum Fahrrad komplett schwarz gekleidet. Also erstmal kurze Abkühlung am Fluss im Chinesischen Garten und ein paar Geschäftleute beobachten die "unglaublich wichtige" Telefonate führen, oder auf dem Notebook völlig kabellos, online Solitair spielen. Langsam bekomme ich Hunger, also auf nach St. Pauli.

Abkuelung

13:50 – Station 08: Michel – 35,80km

Eigentlich wollte ich hier überhaupt nicht hin. Irgendwie war ich schon wieder von meiner geplanten Route abgekommen. Was solls, mit dem guten Gefühl wieder zu wissen wo ich war gings direkt weiter. Diesmal wirklich Richtung St. Pauli.

Der Michel

14:04 – Station 09: St. Pauli (Reeperbahn) – 38,52km

Am Tag sieht hier alles wenig spektakulär aus, nur vor wenigen Bars lungert ein Türsteher herum und von den ganzen Polizeiwagen die hier sonst immer rum stehen war auch kein einziger zu sehen. So, HUNGER!!!!!1

Reeperbahn

14:21 – Station 09: St. Pauli (Reeperbahn) – 38,84km

Da die Dönerbuden nicht so lecker aussahen, war ich bei KFC (da sieht man den Dreck wenigstens nicht) und hab irgendwas gekauft das aussah wie frittierte Kücken mit Dipp. Nächster Halt: Hafen.

Komischer Frass

14:32 – Station 10: Landungsbrücken – 40,03km

Hier war ich zwar auch schon 1000 mal, aber es gibt auch immer wieder was Neues. Diesmal lag unter anderem dieses Kriegsschiff vor Anker. Vermutlich eins von denen die demnächst im Libanon zum Einsatz kommen.

Landungsbrücken

14:44 – Station 11: Speicherstadt – 42,51km

Auch immer wieder schön, die alte Speicherstadt. Vorsicht hier beim Fotografieren! Mit ner Kompaktknipse wird man hier nicht ernst genommen und eine Spiegelreflexkamera sollte schon digital sein um nicht unangenehm aufzufallen. Deshalb hab ich mein Foto auch so unauffällig wie möglich gemacht und das wiederum ist der Grund warum von der Speicherstadt gar nichts darauf zu sehen ist.

Speicherstadt

14:50 – Station 12: View Point (Dalmannkai) – 43,21km

Eigentlich wollte ich mit dem 15 Uhr Zug zurück fahren um dem Pendleransturm auszuweichen, aber das wurde mir zu knapp. Also bin ich auch noch auf diesen unglaublich hässlichen Aussichtsturm geklettert…

View Point

14:51 – Station 12: View Point – 43,21km (13m höher)

…und wurde mit dieser "fantastischen" Aussicht auf die Großbaustelle belohnt. Noch interessanter war die Oma die dort oben auf dem Boden rum krabbelte und irgendwelche merkwürdigen Experimente mit einem Pendel machte. Nichts wie weg!

View Point

15:18 – Station 01: Saturn (Bahnhof) – 48,09km

Noch einen kleinen (und langweiligen) Bogen Richtung Elbbrücken und dann zurück zum Bahnhof. Der nächste Zug fährt erst in 40min, also noch kurz bei Saturn ein paar teure Digitalkameras begrabbelt und im Buchladen um die Ecke was zu lesen gekauft.

Saturn

15:45 – Station 01: Hauptbahnhof – 48,52km

Kurzer Moment der Freude, der Metronom ist schon da! Also kein Stress beim Fahrrad einladen, kein Gedränge und wohlmöglich sogar ein Sitzplatz. Schnell noch ne Fahrkarte fürs Rad gekauft und fest gestellt das mein Zug leider auf Gleis 14 fährt.

Hauptbahnhof

15:50 – Station 01: Hauptbahnhof (Gleis 14) – 48,57km

Auf dem Gleis stand natürlich noch kein Zug, dafür jede Menge Menschen. Im Internet hatte ich gelesen dass die Beförderung von Fahrrädern abgelehnt werden kann, wenn der Zug zu voll ist. Na toll!

Hauptbahnhof

16:57 – Uelzen (Bahnhof) – 48,63km

Ich musste zwar die hälfte der Fahrt stehen und mein Fahrrad festhalten (denn ein richtiges Fahrradabteil gabs nicht), aber man hat mich wieder mit nach Uelzen genommen. Jetzt nur noch die letzten Kilometer nach Hause.

Binnenalster

16:04 – Uelzen (Zu Hause) – 50,99km

TachoFazit: Es ist geschafft! Insgesamt war es doch eine nette Tour und interessant Hamburg mal im Schnelldurchgang und aus einer anderen Perspektive zu sehen.

Wirklich praktisch wäre ein kleines Navigationsgerät, oder zumindest eine vollständige Karte gewesen. Teilweise bieten auch die Bushaltestellen Hilfe, da zumindest in einigen eine Karte mit dem aktuellen Standort hängt. Außerdem sollte man eine solche Tour vielleicht besser am Sonntag machen, um Pendlern und Touristen auszuweichen. Nichtsdestotrotz haben sich die 51km wirklich gelohnt.

Wichtige Verkehrsregeln für Radfahrer in der Großstadt:

Am besten vorwärts gekommen bin ich meistens auf der Strasse, da einem sonst überall Fußgänger und andere langsame Hindernisse das Leben schwer machen. Da die Autos im Stadtverkehr selten mal über 40km/h fahren, konnte ich meist ganz gut mithalten.

Um Anderen den Einstieg zu erleichtern habe ich folgende Verkehrsregeln für Radfahrer in Großstädten aufgestellt (Liebe Kinder: Alles Blödsinn, bitte nicht Nachmachen!):

  • Rote Ampeln gelten nur als Vorschlag anzuhalten
  • Einbahnstraßen gelten nicht für Radfahrer
  • Radwege sind für Fußgänger
  • Fußgängerzonen sind der Gerechtigkeit halber zu ignorieren

Wenn man das beachtet, wird man schnell als Einheimischer akzeptiert und sogar von Anderen nach dem Weg gefragt. :-)

8 Kommentare

  1. Volker sagt:

    Oh, das Kleiner-Zeichen mag Deine Seite nicht leiden, O.K. also:

    wann wirst Du Deinen Plan durchführen, mit allen wichtigen Sehenswürdigkeiten (ich meine alle außer Saturn und die Schmuddelbahn, die hast Du ja schon).

    Gruß, Volker

  2. Mmmh, welches sind denn die "wichtigen Sehenswürdigkeiten" die ich hier nicht aufgelistet habe? Sicher hat Hamburg noch weit mehr zu bieten, aber ich glaube das Standard-Innenstadt-Programm mit Hafen, Alster und diversen Parks hab ich geschafft…

  3. Volker sagt:

    Standard-Innenstadt-Programm = alle wichtigen Sehenswürdigkeiten?
    wichtig = das was jeder Uelzener kennt?

  4. Ok, "wichtig" ist vielleicht falsch formuliert. Sagen wir ich war bei den bekanntesten Sehenswürdigkeiten. Das ganze war ja auch eher ein Experiment. Meine erste Tour mit Zug und Fahrrad.

    Über Tipps was man sich auf einer zweiten Tour unbedingt ansehen sollte würde ich mich natürlich auch freuen…

  5. Markus sagt:

    Nette Idee. Danke für die Dokumentation deiner Radtour durch die Hansestadt hier im Blog.

  6. Anna sagt:

    Hat mir super gut gefallen, deine Fahrradtour durch HH.
    In der Nähe von Punkt 04 habe ich mal gewohnt, und auf dem Turm im Stadtpark (an der Stelle, wo diese Rundung beginnt) ist ein kleiner Balkon, da habe ich mich vor hundert Jahren gesonnt, wenn die Tür unten nicht abgeschlossen war.
    ;-)

  7. [...] danach bin ich in den Stadtpark gefahren. Hier war ich schon mal auf meiner aller ersten HH Radtour. Aber auch hier gab es einiges neues zu enddecken, wie etwa den [...]

  8. Klasse Bericht mit schönen Bildern auf denen Dein Fahrrad gut zur geltung kommt :-)

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