Sind 30km zu Fuß eigentlich viel? Schafft man es als eher untrainierter Mensch einfach mal so 30km am Stück zu wandern? Ich hatte keine Ahnung, war aber bereit es herauszufinden. Anlass war mein 1000. Cache, und der sollte etwas besonderes sein. Also entschied ich mich für X-treme, einen Wandercache über 25km quer durch Hamburg.

Europäischer Fernwanderweg 1

Der Cache-Name ist nicht nur durch die große Distanz geschuldet, sondern auch dadurch, das man dem Europäischen-Fernwanderweg E1 folgt. Dieser ist durchgängig mit weißen X gekennzeichnet (siehe Foto oben), die die Orientierung sehr erleichern. Aber der Reihe nach.

Berliner Tor

Früh morgens machte ich mich in Lüneburg mit dem Zug auf den Weg zum Hamburger Hauptbahnhof, und fuhr von dort weiter zur S-Bahn-Station "Berliner Tor", meinem Startpunkt. Mein Rucksack enthielt, mit Ausnahme eines Sauerstoffgerätes, genug Ausrüstung um zur Not auch den Mount Everest zu besteigen. Aber hey, Reinhold Messner hat das auch ohne geschafft.

Alster

Zuerst führte mich der Weg an die Alster. Das Wetter war nicht wirklich schön, aber immerhin war es trocken. Ich staune jedes mal wie viele Jogger hier unterwegs sind. Klar, die Strecke ist nett, aber ich hätte gar keine Lust mehr da zu laufen wenn ich dauernd dem Gegenverkehr Platz machen müsste, oder langsamere Läufer einhole. Nun ja, jedem das Seine.

Marman

Ein paar Meter weiter entdecke ich dieses riesige Spinne. Das eklige Vieh hört auf den Namen Maman und ist Teil der recht skuriellen Kunstaustellung "Passage dangereux" die es zur Zeit in der Hamburger Kunsthalle zu sehen gibt.

Planten un Blomen

Nächste Zwischenstation war Planten un Blomen, der große Park mitten in Hamburg. Überhaupt war ich überrascht über die wirklich gelungene Wegführung. Ich lief mitten durch Hamburg und war trotzdem fast ausnahmslos im Grünen unterwegs. Ein wenig habe ich mich jedoch innerlich geärgert, denn die Strecke wäre bestimmt noch viel schöner, wenn die Pflanzen schon richtige Blätter hätten.

Eisbahn Planten un Blomen

Was ich bisher auch nicht wusste, war das es in Planten un Blomen eine Eisbahn gibt. Ich kann mich zumindest nicht erinnern jemals dort gewesen zu sein. Auch hier herrschte recht reger Betrieb, vermutlich weil gerade der letzte Tag vor Ende der Saison war.

Hamburger Fischmarkt

Über St. Pauli wanderte ich Richtung Hafen. Am Fischmarkt war nach 12:00 Uhr bereits alles gelaufen und nur noch die Aufräum-Mannschaft bei der Arbeit. Weiter ging es durch Altona entlang der Elbe.

Dockland

Von der teilweise recht hohen Böschung hat man einen schönen Blick über den Hafen. Auf dem Bild oben sieht Dockland am Cruise Center Altona und im Hintergrund die Köhlbrandbrücke. Langsam ließ ich hier die Stadt hinter mir, und mit dem Museumshafen Övelgönne kam der Elbstrand im Sicht.

Övelgönne

Für mich einer der schönsten Abschnitte dieser Strecke. Leider wollte die Sonne sich auch jetzt noch nicht blicken lassen, und so habe ich auf einen längeren Strand-Aufenthalt verzichtet.

Schiffe auf der Elbe

Mit Othmarschen kommt das Airbus-Gelände in Sichtweite. Hier war einiges los auf der Elbe, ein dicker Frachter nach dem anderen schob sich in Richtung Hafen. Auch den Alten Schweden habe ich wiedergefunden.

Ich und Schiff auf der Elbe

Bei Airbus hingegen gab es am Sonntag nicht viel zu sehen, nur einen einsamen Gubby konnte ich am Boden erkennen. Weiter ging es in Richtung Nobelviertel Blankenese. Auch diese Ecke Hamburgs habe ich vor einiger Zeit ausführlich erkundet.

Blankenese

Erstaunt war ich lediglich über den schwarzen BMW, den ich dort am Straßenrand vor einer Villa entdeckte. Noble Autos sind hier keine Seltenheit, aber ich hätte nicht gedacht das selbst hier auf so dreiste Weise komplette Räder geklaut werden.

Da fehlt was...

Auch nicht mehr ganz fahrbereit war das Schiff das ich ein paar Meter weiter entdeckte. Meine Recherche ergab das der Kahn bereits 1975 bei einer Kollision gesunken ist, und das Heck zu groß zum Bergen war. Seitdem liegt es dort.

Wrackteil

Apropos Ermüdungserscheinungen, nachdem ich Blankenese und 20km Wegstrecke hinter mich gebracht hatte, machten sich doch langsam meine Beine bemerkbar. Noch lagen aber mindestens 5km vor mir, und an Aufgeben war schon allein wegen des 1000. Caches nicht zu denken.

Die Finaldose

Das und die einsetzende Dämmerung sind vermutlich auch der Grund warum es vom letzten Streckenabschnitt kaum Bilder gibt. Einzig sehenswert ist die Dose für die ich diese ganze Strecke auf mich genommen hatte. Ziemlich unspektakulär, aber bei diesem Cache war auch ganz klar der Weg das Ziel.

Der GPS Track

Und dieser Weg hat mir fast ausnahmslos wirklich gut gefallen. Der Europäische Fernwanderweg E1 hat zumindest auf dem Abschnitt durch Hamburg eine absolut gelungene Wegführung, und um meine anfängliche Frage zu beantworten: Ja, zumindest ich habe meine 30km Wegstrecke erfolgreich in einem Stück absolviert. Viel mehr hätte es aber auch nicht sein dürfen. Respekt an dieser Stelle an Marathon-Läufer. Wenn ich mir vorstelle diese Strecke rennen zu müssen, und dann nochmal 10km dran zu hängen. Neee, danke, nix für mich. Ach ja, die Story ist noch nicht zu ende, ein Wermutstropfen blieb doch noch.

S-Bahn-Station Rissen

Als ich nach dem Heben des Caches endlich die S-Bahn-Station Rissen erreichte, musste ich feststellen das der Bahn-Verkehr wegen Gleisarbeiten an diesem Sonntag komplett eingestellt war. VERDAMM*** SCHEI**! Nach anfänglicher Ratlosigkeit fand ich aber bald einen Bus in Richtung Dammtor. Ich weiß nicht wo der alles lang gefahren ist, aber bis zum Hauptbahnhof war ich gut 1,5h unterwegs. Das war so nicht geplant.

1000. Cache

Naja, aber alles in allem war das ein wirklich gelungener Tag. Mein Cache-Zähler zeigt nun über 1000 Funde, und ich bin stolz auf meine zu Fuß zurück gelegte Strecke. Auch wenn ich das Fahrrad nach wie vor bevorzuge, wird dies sicher nicht mein letzter Wandercache bleiben. Man nimmt die Umgebung doch ganz anders wahr und entdeckt auch auf bereits bekanntem Terrain zahlreiche neue Details.

Karte von OpenStreetMap – Veröffentlicht unter CC-BY-SA 2.0